Die NSC-Serie Teil I – Wozu NSCs?

Aus der Mottenkiste kommen nun wieder die NSC-Serie in allen bisher veröffentlichten Teilen. Am Ende ds Textes findet Ihr jetzt auch das angekündigte PDF mit allen Teilen. Auchder entsprechende NSC-Generator wird noch dieses Jahr kommen. Versprochen! Sie heißen „Alrik“, „Der Typ da“, „Hey Wirt“ oder schlicht „Jemand“. Immer wieder kommen Deine Spieler nicht drum herum sich einmal mit einem dieser intelligenten Lebewesen der Spielwelt zu unterhalten. Sie interagieren also mit einer Figur, die in Deinem Hoheitsbereich liegt. Alle diese Figuren, die Du zum Leben erweckst und am Spieltisch führst nennen sich NichtSpielerCharaktere (NSC). Sie sind eines Deiner wichtigsten Hilfsmittel um der Spielwelt Leben einzuhauchen und bieten Dir selbst die Möglichkeit mit Deinen Spielern direkt zu spielen (und nicht nur auf deren Treiben zu reagieren und zu beschreiben). Bevor Du Dich allerdings ans Ausarbeiten und Losspielen Deiner NSCs machst solltest Du Dir darüber klar werden wozu Du diese Figur überhaupt brauchst und wozu Du sie verwenden kannst.
Sieht man von den reinen Klopp-NSCs ab, die nur in Kämpfen als Gegner und Kanonenfutter eine Rolle spielen, können Deine NSCs drei Grundfunktionen haben. Bei jedem NSC, den Du nicht einer dieser Funktionen zuordnen kannst, solltet Du Dich ernsthaft fragen, warum Du ihn den überhaupt brauchst und warum Du auch nur eine Minute der Vorbereitung mit ihm verschwendest!
Symbolfunktion: Sie zeigen Deinen Spielern symbolisch, dass die Spielwelt lebt und wie die Stimmung dort ist. Sie führen vor, wie das tägliche Leben aussieht, was die Bewohner dort bewegt und welche Rolle bzw. Position die Helden in der Spielwelt einnehmen (rennen alle Angst erfüllt fort, sobald sie die Helden sehen, werden sie angebettelt, bewundert, verspottet oder einfach ignoriert? Gibt es Vorurteile gegen bestimmte Helden?).
Plotfunktion: Sie können eine relevante Rolle in Deinem Abenteuerplot spielen, in dem sie als Gegner agieren oder in dem sie als wichtige Informanten oder Helfer auftreten.
Anspielfunktion: Sie können dazu dienen Deine Helden gezielt anzuspielen, d. h. den Spielern auch außerhalb des eigentlichen Abenteuerplots Gelegenheit zu geben ihre Charaktere gemäß ihrem Charakterkonzept auszuspielen (z.B. ein Ritter, mit dem sich der Spielerritter duellieren kann, die Schankmagd, mit der der Schönling der Truppe ein Techtelmechtel beginnt, ein Geweihter, mit dem ein Spielercharakter seine Selbstzweifel und moralische Bedenken besprechen kann oder ein Magus mit dem der Spielermagus fachsimpeln kann).
Je nachdem welche Funktion Dein NSC einnimmt kannst Du in der Vorbereitung Schwerpunkte setzen. Für Symbolfiguren spielen vor allem die Situationen, in denen sich Deine Helden gerade befinden eine Rolle. Für sie musst Du also weniger Überlegungen zu den NSCs selbst anstellen (wer sie sind und was sie können), sondern mehr daran arbeiten, wie die Spielszene mit dem NSC aussehen könnte und welche Stimmung Du mit seiner Hilfe darstellen willst. Bei NSCs, die eine wichtige Plotfunktion haben spielen häufig ihre Informationen (was wissen sie und wie können die Helden an die Information gelangen?), ihre Motivation (warum handeln sie so und was wollen sie von den Helden?) und ihr wahrscheinliches Verhalten (wie reagieren sie auf die Helden, was unternehmen sie um ihre Ziele zu erreichen?) eine Rolle. NSCs mit einer Anspielfunktion hingegen solltest Du stark am Bedarf der Spielercharaktere ausrichten. Also überlege Dir was für den Spieler und was für seinen Charakter wichtig ist  und wie Du diese Vorlieben mit welchen NSCs und deren Spielszenen unterstützen kannst.

Grundlegende Tipps

Individuelle NSCs

NSC KarteJedes Kind braucht einen Namen!
Namenlose NSCs werden von Deinen Spielern schnell als unwichtig abqualifiziert und links liegen gelassen. Also gib ihnen einen Namen. Nützlich dazu sind auch Namenlisten, wie Du sie in zahlreichen Spielhilfen findest. Damit kannst Du dann jederzeit schnell einen Namen für den herumlungernden Bettler, den Thekennachbarn oder den Nachbarsjungen improvisieren, wenn es nötig sein sollte. Wenn Du einen Namen aus der Liste genommen hast, streich ihn durch und mach Dir am besten eine kurze Notiz, für welchen neuen NSC Du den Namen jetzt verwendet hast. So erhältst Du mit der Zeit auch einen ganzen Stamm neuer Namen und NSCs als Dramatis Personae. Benutze diese Dramatis Personae um daraus Regulars, künftige „Zufallsbegegnungen“, Gegner oder Auftraggeber zu kreieren. Lass das Fußvolk individuell sein und gib auch Deinen unbedeutenderen Meisterpersonen eine individuelle Note . Selbst der „Straßenkehrer-NSC“ kann mal einen Namen vertragen und gelegentlich eine persönliche Geschichte haben. So gibst Du der Spielwelt Tiefe und machst sie greifbarer. Außerdem fallen dann Deine wichtigen NSCs nicht wie bunte Hunde in der grauen Masse auf.

Die Macht der Namen
Wenn Du Deine NSCs erstellst und ins Spiel einführst, vergiss nie die Macht der Namen. Namen klinge und wecken Assoziationen bei den Spielern, die man durchaus ausnutzen kann. Der Edle Trunkwin von Bierbach-Hopfenau führt so schon im Namen ein wesentlichen Teil seiner Charakterisierung als ein trinkfreudiger Lebemann. Der Name wird so schon zu einem wesentlichen Teil der Beschreibung Deiner NSCs, wie folgende Beispiele zeigen: Der Soldat Trutzbert Orkenschläger gehört vermutlich eher zur zupackenden tapferen Sorte gehört , denn zur Gattung der Weicheier und Angsthasen. Dass die Tänzerin Rahjasandra Rosentau eher hübsch und talentiert ist klingt in ihrem Namen sicher mehr an, als wenn sie Klothilde Klumpenhans hieße. Dass Deine Spieler dem Baron Markwart von Schwarzenherz-Dunkelbach mit einer gewissen Vorsicht begegnen ist sicherlich kein Fehler. Anders wäre es vielleicht wenn er Rondrian von Freudental-Sonnengrund heißen würde.
Mit dieser Namensgebung kannst Du Deine Figuren schon mit wenig Aufwand charakterisiern, wobei Du natürlich mit diesen Assoziationen auch fiese Spiele treiben kannst und der blonde Jüngling Freudwin Gutherz von Falkenstein eben kein netter Zeitgenosse ist, sondern ein Schleimer und Intrigant im Gewande eines edlen Ritters. Der Typ muss dann noch nicht einmal konkret etwas falsch gemacht haben, allein, dass er nicht dem Bild seines Namens entspricht lässt die Spieler ihm eine gehörige Portion Misstrauen entgegenbringen. Täuschungen dieser Art funktionieren oft erschreckend gut, sind aber auch nur vorsichtig einzusetzen, denn sonst kannst Du die Macht der Namen bei all Deinen anderen NSCs nicht mehr wirkungsvoll einsetzen.

Benutze Meisterpersonen mit Wiedererkennungswert
Es hilft Meisterpersonen, die im Abenteuers wichtig sind (oder solche die einfach einen gewissen Unterhaltungswert haben) mit zusätzlichen Macken und Merkmalen auszustatten (mehr dazu in späteren Teilen der Serie). So können sich Deine Spieler die NSCs besser merken und auseinander halten.
Da gibt es den stotternden Nachtwächter, den Traviagweihten, der Hasen statt Gänse züchtet oder den Krämer, der eine große Ähnlichkeit mit Kaiser Reto hat. Auch gut zu erkennende physische Details lohnt es zur Verdeutlichung in die Beschreibung einzubauen. Also lass Deine NSCs hinken, einarmig sein, ein Narbengesicht haben oder sonstige körperliche Auffälligkeiten. All das muss nicht besonders ausführlich und nichts kompliziertes sein, ein zwei Sätze reichen hierfür völlig aus. Wichtig dabei ist, dass diese Beschreibung interessant und ungewöhnlich ist.
Einprägsame Charaktereigenschaften
Vor allem für wichtige NSCs solltest Du die rein physische Beschreibung noch um einprägsame auffällige Charaktereigenschaften oder um bekannte Geschichten und Erzählungen über den NSC ergänzen. Benutze dafür aber möglichst nur Elemente, die Du später auch im Spiel vermitteln kannst. Die tragische Kindheit Deines NSCs, die sein ganzes Wesen erklärt ist literarisch zwar sicher interessant, aber sie tut am Spieltisch meist nichts zur Sache und ist schwer zu vermitteln. Es sei denn Du lässt den NSC später ständig über seinen Vater fluchen. Einfacher ist es sich also an irgendwelche Ticks und Marotten zu halten, die Du dann im Spiel eigentlich gar nicht oft genug wiederholen kannst: Das ständige am Ohr oder Kinn kratzen, das eifrige Hände reiben, nervöses Augenzwinkern usw.

Glaubwürdige NSCs

Auch Meisterpersonen haben ein Privatleben
Wenn Du Deine Spielwelt lebendig gestalten willst, solltest Du Deinen NSCs auch ein Privatleben gönnen. Sie warten nicht rund um die Uhr auf die Helden sondern gehen auch ihren eigenen Geschäften nach. Also mach Dir Gedanken wovon sie leben und wie ihr Alltag aussieht? Was sind ihre Interessen und wie verhalten sie sich normalerweise? Mit den Antworten hast Du schnell etwas in der Hand mit dem Du die typischen Gesprächssituation mit den Helden ausgestalten kannst. Wo und was arbeiten sie, interessieren sie Sport, Klatsch&Tratsch, ferne Länder oder neue Technik? Was wären typische Smalltalk-Themen für die NSCs?
Wenn die Helden ihnen begegnen, was machen sie gerade? Haben sie es eilig, weil sie zum Essen zu Hause erwartet werden? Streiten sie gerade mit dem Nachbarn oder schleichen sie zum Techtelmechtel mit ihrem Geliebten? Worüber tratschen die Nachbarn, welche Sorgen und Hoffnungen treiben die Menschen der Stadt um? Nimm dazu auch irdische Vorbilder, zu irgendwas müssen teures Bier, vergammeltes Fleisch, die endlosen Steuerdebatten und Bürokratieärgereien ja gut sein.
Menschliche Schwächen
NSCs dürfen auch Emotionen haben und sich menschliche Schwächen erlauben. Es muss nicht immer alles streng logisch sein, was sie tun (die Spielercharaktere handeln ja auch nicht immer vernünftig und logisch). Vielleicht schulden sie noch jemandem einen Gefallen ,haben eine Schwäche für kleine Hunde oder lieben Schokolade und übersehen deswegen wichtige Dinge oder setzen falsche Prioritäten?
Um das zu berücksichtigen mach Dir Gedanken zu drei Dingen die der NSC liebt und drei die er hasst. Alternativ kannst Du auch in Gesetzen denken. Welche drei Regeln/Gesetze würde er ohne zu zögern brechen und welche auf jeden Fall einhalten. Wen oder was würde er ohne zu zögern umbringen und wofür würde er sein Leben opfern? Denke auch daran, dass NSCs keine Regelbücher lesen. Nur weil etwas nach den Regeln besonders effizient oder billig wäre, muss das der NSC noch lange nicht so sehen. Das Verhalten Deiner NSCs muss innerhalb der Spielwelt plausibel sein und nicht auf der Regelebene! Aber Achtung, das kann bedeuten, dass Deine NSCs Kämpfe das eine oder andere mal als viel zu gefährlich ansehen und Kämpfe künftig meiden wo sie sich eben irgendwie vermeiden lassen.
Motivation
Deine NSCs nehmen immer eine Rolle in der Spielwelt ein aus der sich ihre Beziehung zu den Spielercharakteren ergibt. Das heißt sie haben immer eine Motivation hinsichtlich der Spieler, die Du festlegen musst. Es reicht meistens aus eine ganz kurzfristige Motivation festzulegen, also was der NSC in diesem Moment gerade erreichen möchte und was er dabei von den Helden will. Möchte er beispielsweise von den Helden Informationen im weitesten Sinne (den jüngsten Klatsch, geheime Papiere, unterhaltsame Geschichten aus der weiten Welt), will er sie los haben (weil sie seine Geschäfte stören, weil er Vorurteile gegen sie hat, weil er seine Ruhe haben will) oder benutzen (um seiner Konkurrenz zu schaden, um ein Ablenkungsmanöver zu starten, um mit ihnen vor seinen Freunden zu protzen)?
Bis zum nächsten Spieltermin kann sich das natürlich ändern und Du aktualisierst die Motivation dann einfach. Eine tiefer gehende Motivation (z. B. warum ein Schurke Schurke ist oder was die Ursache der Jahrhundertealten Fehde zwischen zwei Adelshäusern ist) ist in aller Regel verschwendete Vorbereitungszeit und lohnt nur, wenn Du ein melodramatisches Abenteuer spielen willst. Das Ergebnis ist meist sowieso irgend ein psychologischer Ansatz a la „weil ihn sein Vater immer …“
Methoden und Handlungsgrenzen
Auch NSCs haben einen Überlebenswillen und kämpfen eher selten bis zum Tod. NSCs können auch faul sein und daher den Weg des geringsten Widerstands wählen anstatt den möglicherweise erfolgversprechenderen.
Genauso wie jeder NSC eine Motivation und ein Ziel hat, hat er auch eigene Methoden wie er sein Ziel erreichen kann bzw. handelt gemäß seiner Motiv mal extrem (wenn er ein sehr starkes Motiv hat) oder macht vielleicht auch gar nichts (wenn sein Interesse gering ist). Überlege Dir also immer, was die typische Handlungsweise für den NSC ist und was für das Ziel auch angebracht ist. Wenn es nur um eine kleinere Summe Geld geht wird kaum ein NSC den großen Hammer raus holen, aber wenn es für ihn wirklich ans Eingemachte geht oder seine emotionale Seite (z.B. Rache, Eifersucht) besonders angesprochen wird gibt es bald keine Grenzen mehr. Achte hier darauf was die Handlungsgrenzen des NSC sind. Wie weit geht er und wo liegen seine Grenzen. Wie viel riskiert er um sein Ziel zu erreichen?

Checkliste NSC-Vorbereitung

Die folgende Checkliste ist vornehmlich für Deine ganzen „Durchschnitts-NSCs“ gedacht, also weder für den großen Erzschurken, noch den einfachen Bettler am Straßenrand, der keinerlei Bedeutung für das Spiel hat. Für ersteren bedarf es noch etwas mehr Ausarbeitung und für den zweiten wäre das hier wohl schon zu viel Aufwand. Halte all die folgenden Dinge kurz und arbeite lieber mit Schlagworten, als mit voll ausformulierten Sätzen, dann kannst Du später im Spiel nämlich schneller die wesentlichen Informationen heraus lesen und leichter wieder in eigene Worte fassen.
Äußerliche Beschreibung
Wie sieht der NSC aus und welchen äußerlichen Eindruck vermittelt er? Wodurch unterscheidet sich der NSC von anderen, welche Macken, Eigenarten oder physischen Besonderheiten hat er? Ideen für solche Details und Ausarbeitungen findest Du im Anhang auf S. XXX.
Charakterisierung
Welchen Beruf/Funktion hat der NSC und welches Etikett, Klischee oder Vorurteil würde auf ihn am besten passen? Beispiele wären „arroganter Adliger“, „gemütlicher Wirt“, „ein gebildeter und depressiver alter Mann“ oder „kumpelhafter Begleiter“.
Wichtige Spielwerte
Du wirst nicht für alle NSCs Spielwerte benötigen und kannst das Feld wahrscheinlich oft auch einfach weglassen. Ansonsten denk daran, dass Du hier auch nur mit allgemeinen Festlegungen wie der oben genannten 7-er Skala arbeiten kannst, was wesentlich übersichtlicher ist als tausend einzelne Daten aufzuschreiben.
Information
Was weiß der NSC, wie könnte das den Helden nutzen und wie können sie von dem NSC diese Information erhalten? Rückt der NSC von sich aus mit den Informationen heraus, müssen die Helden nachfragen, ihn dafür bezahlen, ihn erpressen, einschüchtern oder zwischen all seinen fantastischen Lügengeschichten den wahren Kern heraus filtern?
Spielfunktion
Wie, wo und wann könnte der NSC seinen Auftritt haben und was willst Du damit bezwecken? Dient er dazu Informationen zu vermitteln, um einen Spielercharakter gezielt anzuspielen bzw. ihm Spotlight-Time zu geben oder ist er nur Kulisse?
Spieler-Reaktion
Wenn der NSC eine bestimmte Reaktion bei den Spielern erzeugen soll (z.B. ihn sympathisch finden, ihm vertrauen oder ihn hassen), was kann der NSC tun, um diese Reaktion zu provozieren.

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Datum: Samstag, 22. August 2009 8:45
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